Frettchen sollten, sofern sie nicht zur Zucht eingesetzt werden, kastriert werden.
Bei weiblichen Tieren (Fähen) ist dies sogar lebenswichtig, da sie sonst in die sogenannte Dauerranz (Hyperöstrogenismus) fallen können , die den Tod der Fähe zur Folge hätte.
Das heißt, da der Eisprung erst durch den Deckakt ausgelöst wird, bleibt der Östrogenspiegel, wenn kein Deckakt erfolgt und auch nicht kastriert wird, dauerhaft hoch.
Das wirkt toxisch auf das Knochenmark, wodurch es schließlich zu einer Einstellung der Blutneubildung kommt (Anämie) kommt.
Viele Fähen sterben daran, nicht kastriert zu werden.
Symptome
- massiver Gewichtsverlust
- Lethargie
- Appetitlosigkeit
- massiver Fellverlust
Bitte in solchen Fällen immer sofort einen Tierarzt aufsuchen
Auch bei den Rüden ist das Thema nicht zu vernachlässigen.
Rüden entwickeln in der Ranz einen sehr intensiven Geruch, welcher im Haus kaum auszuhalten ist.
Der Überschuss an Hormonen lässt sie leichter aggressiv werden und führt dazu, dass Sie versuchen, alles – sogar ihre gleichgeschlechtlichen Artgenossen – wegzuschleifen und zu besteigen.
Dieses Verhalten führt zu erheblichem Stress und Unruhe innerhalb der Gruppe.
Auch kann es hierdurch zu schweren Verletzungen der Tiere durch verbeißen im Nacken und zu Rangordnungskämpfen kommen.
Fähen
Weibliche Frettchen sollten am besten vor/zu Beginn ihrer ersten Ranz kastriert werden. Diese setzt normalerweise im ersten Frühling nach ihrer Geburt ein.
Woran erkennt man die Ranz ?
Ihr bemerkt sie daran, dass die Vulva mehr und mehr anschwillt und ein weißer, schleimiger Ausfluss zu sehen ist.
Ranzig werdende Fähen fangen außerdem an zu riechen und benehmen sich oft „zickig“.
Zwar stellt eine Operation während der Ranz für einen frettchenerfahrenen Tierarzt kein Problem dar, dennoch ist es besser, spätestens bei den ersten Anzeichen zu kastrieren.
Die Operation ist dann einfacher und läuft weniger blutig ab.
Hinweis zum Hormonchip
Der Einsatz des Suprelorin Chips zur chemischen Kastration ist bei Fähen zwar möglich, unserer Meinung nach jedoch nicht sinnvoll.
Er kann die Symptome einer Gebärmutterentzündung (Pyometra) überdecken, da die Fähe nicht mehr ranzig wird, die Gebärmutter aber dennoch pathologisch reagieren kann, und steht sogar im Verdacht, deren Entstehung zu begünstigen.
Häufig kommt es bei hormonell kastrierten Tieren im Nachgang zu massiven Eierstock und Gesäugeleisten Tumoren.
Darum empfehlen wir für Fähen stets die operative Kastration.
Die operative Kastration bei Fähen
Um die Fähe wirksam vor den Gefahren einer Dauerranz zu schützen, werden bei der Operation die Eierstöcke entfernt (Ovarektomie). Bestehen Veränderungen an der Gebärmutter, wird auch diese entnommen.
Eine bloße Sterilisation (Kappen der Eileiter) ist nicht ausreichend.
Das Tier kann dann zwar nicht mehr tragend, aber weiterhin ranzig werden und wäre damit vor der sogenannten Dauerranz (s.o.) nicht geschützt.
Rüden
Komplexer wird die Angelegenheit bei den Rüden.
Auch bei ihnen sollte die körperliche Reife abgewartet werden. Die operative Kastration sollte nicht vor dem 8. bis 10. Monat erfolgen, um Knochen- und Gelenkschäden während der Wachstumsphase zu verhindern.
Wie bemerke ich die Ranz bei Rüden ?
Rüden werden normalerweise im ersten Frühling nach ihrer Geburt geschlechtsreif. Durch die Wärme bei Innenhaltung oder individuelle Veranlagung kann dies jedoch bereits im Herbst geschehen.
Der Beginn der Ranz äußert sich durch einen strengen Geruch, das Markieren des Reviers und oft auch durch aggressives Verhalten und umherschleifen der tierischen Mitbewohner. Hierbei kann man vermehrt Versuche beobachten, die anderen Rudelmitglieder zu besteigen.
Zudem wandern die Hoden in den Hodensack und sind (zuerst winzig, später als deutlich sichtbare „Bällchen“) leicht zu ertasten.
Achtung: Nur wenn beide Hoden abgestiegen sind, darf chemisch kastriert werden. (Tumorrisiko)
operative oder chemische Kastration bei Rüden
Es gibt zwei empfehlenswerte Arten, die jeweils Vor- und Nachteile haben
Die chemische Kastration (suprelorin Implantat/Hormonchip)
Hierbei wird ein Suprelorin-Chip (4,7 mg) zwischen die Schulterblätter implantiert.
Er unterbindet die Testosteronbildung, indem er dem Gehirn signalisiert, dass bereits genug Hormone vorhanden sind.
Da der Körper dadurch nicht versucht, das Hormon an anderer Stelle (z. B. in den Nebennieren) zu produzieren, gilt der Chip als schonendere Alternative.
Er kann gesetzt werden, sobald beide Hoden sicher im Hodensack tastbar sind, ist somit auch bei frühreifen Tieren eine gute Alternative.
Hier kann dann zuerst der Hormonchip gesetzt und wenn sie dann alt genug dafür sind, operativ kastriert werden.
Die Wirkdauer ist recht unterschiedlich und beträgt bis zu drei Jahren. Es ist aber auch möglich, dass der Chip bereits nach einigen Monaten erneuert werden muss.
In jedem Fall kann auf die chemische Kastration dann eine operative folgen.
Achtung: Bei ein- oder beidseitigem Hodenhochstand darf keinesfalls chemisch kastriert werden. Ein Rüde ist nach dem Setzen des Chips noch bis zu 8 Wochen zeugungsfähig. Er darf in dieser Zeit keinesfalls mit geschlechtsreifen Fähen zusammenkommen
Operative Kastration bei Rüden
Hierbei werden beide Hoden operativ entfernt.
Da dem Gehirn danach nicht künstlich ein ausreichend hoher Hormonspiegel „vorgegaukelt“ wird, kann es dazu kommen das der Körper Testosteron ersatzweise über die Nebennieren bildet.
Dies kann die Entstehung von Nebennierentumoren (NNT), die sich allerdings recht gut behandeln lassen, begünstigen.
Der große Vorteil der operativen Kastration ist die endgültige Wirkung, die nur einen einzigen Eingriff notwendig macht und nicht wiederholt werden muss.
SONDERFALL KRYPTORCHISMUS (Hodenhochstand) warum der Hormonchip hier auf keinen Fall angewendet werden darf.
Wenn ein oder beide Hoden nicht in den Hodensack wandern, sondern im Bauchraum verbleiben, muss zwingend operiert werden!
Die zu hohe Temperatur im Körperinneren führt bei innenliegenden Hoden oft zu bösartigen Tumoren.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss
Egal ob Fähe oder Rüde
Die Behandlung sollte immer durch einen frettchenerfahrenen Tierarzt erfolgen.
Die Physiologie von Frettchen unterscheidet sich stark von der von Hunden oder Katzen, was ein besonderes Vorgehen bei der Operation notwendig macht
- Sie benötigen eine spezielle Kombinationsanästhesie.
- Frettchen dürfen nicht lange hungern; sie sollten bis 1,5 – 2 Stunden vor der OP fressen dürfen.
- Der Blutzuckerspiegel muss während der Operation überwacht werden.
Viele Tierärzte, die sonst meist Hunde und Katzen behandeln und operieren, wissen das oft nicht.
Solltest du keinen frettchenerfahrenen Tierarzt/eine frettchenerfahrene Tierärztin kennen, setz dich ruhig mit uns in Verbindung. Wir versuchen dir, wenn möglich, einen entsprechenden Tierarzt zu empfehlen.
*Hinweis: Die genannten Informationen dienen der Aufklärung und basieren auf aktuellen Erfahrungswerten in der Frettchenhaltung. Sie dienen nicht als Ersatz für eine ausführliche Beratung und können nicht den Gang zu einem Tierarzt ersetzen
